Samstag, 19. April 2014

Unterricht an der Mbarara University of Science and Technology

Ich hatte die Möglichkeit, an einer Universität zu unterrichten, welche im Westen von Uganda liegt. Genauer an der "University of Science and Technology" in Mbarara (die Stadt liegt ungefähr 260 Kilometer von Kampala entfernt). Also wurde ich an einem Sonntagmittag von einer netten Frau namens Mary in Kampala abgeholt. Mit ihr waren ihr Fahrer und zwei deutsche Herren, die von der Universität in Köln kamen, um Beziehungen mit Universitäten in Ostafrika zu knüpfen.
Nach kurzem Smalltalk fuhren wir los (mit einem ziemlich grossen Pickup) Richtung Mbarara. Die Deutschen stellten Mary jede Menge Fragen, weil sie erst seit zwei Tagen in Uganda waren und wohl auch bald wieder abreisen würden. Ich fand es lustig, denn selbsverständlich wusste ich nach meiner etwas mehr als zweimonatigen Zeit in Uganda (fast) alle Antworten auf ihre Fragen. Die Herren waren aber sehr aufgestellt und nett und wir hatten eine gute Unterhaltung. Ihre Namen waren übrigens Günther und Mario, wobei mir der Name Günther und das Verhalten dieses Mannes irgendwie so typisch Deutsch erschienen, dass der Mann fast wie aus einem Film wirkte (ich weiss nicht wirklich, ob das ein typisch Deutscher Name ist :))
Wir machten unterwegs an einem Ort halt, wo der Äquator durch Uganda verläuft. Dort gab es für uns ein sehr interessantes Experiment zu bestaunen: Der Äquator war mit einer Linie auf den Boden gezeichnet. Links und rechts davon sowie auf der Linie selbst gab es je eine Schale, in die Wasser gefüllt wurde. In der Mitte dieser Schalen war jeweils ein Loch, damit das Wasser auch wieder abfliessen konnte. Da war dieser Mann, der eine Blumenblüte dabei hatte und diese jeweils auf dem Wasser schwimmen liess. Im Behälter rechts vom Äquator drehte sich die Blüte im Uhrzeigersinn. In der Schale links vom Äquator drehte sich die Blüte gegen den Uhrzeigersinn. In der Schale direkt auf dem Äquator drehte sich die Blüte überhaupt nicht... Das sind wohl die gegenseitigen Pole, die dort aufgezeigt wurden. Es war auf jeden Fall spannend zu sehen! (ich hoffe, ich habe die Richtungen der Drehung der Blüte richtig im Kopf, aber ihr wisst wohl, was ich meine :))
Danach fuhren wir weiter und hatten beinahe einen Unfall, weil ein alter Mzungu-Trottel (Mzungu steht für weisser Mann, ist in Ostafrika ein gängiger Begriff und als Weisser kommt man ihn immer wieder zu hören) uns die Vorfahrt nam.
Schliesslich erreichten wir Mbarara aber wohlbehalten. Dort gab es dann erstmal eine Überraschung für mich: Das Hotel, in welchem ich gratis wohnen durfte, für die Zeit in Mbarara, war einfach sagenhaft! Mbarara ist nicht gerade die schönste Stadt, aber das "Lake View Hotel" ist wirklich gehobene Klasse. Zwischen all den Geschäftsmännern und -Damen fühlte ich mich jedoch fast etwas fehlt am Platze und auch das man mich als "Sir" begrüsste, war mir bis anhin nicht wirklich geläufig gewesen. Ich gewöhnte mich aber schnell daran :)
Hier erstmal ein paar Bilder aus Mbarara:





Am Montagmorgen ging ich dann zum ersten Mal in die Universität.
Ich freute mich auf den Unterricht und war guter Dinge. Ich fragte Mary, wie viele Leute denn zu meinem Unterricht kommen würden. Sie sagte mir, es seien um die dreissig Leute angemeldet, also eine ganz schöne Menge! Um 09:00 Uhr sollte es losgehen. Nun ja, um 10:00 Uhr waren dann auch bereits schon fünf von diesen dreissig Leuten da :) Aber es regnete auch ziemlich heftig und vielleicht wurden die Leute deshalb aufgehalten.
Nun denn, ich hatte die nötige Software auf die PCs der Uni installiert und wir wollten anfangen, obwohl noch nicht alle da waren. Wenn wirklich dreissig Leute gemeldet waren, so fehlten zu diesem Zeitpunkt immer noch 22 :)
Am diesem ersten Tag wurde aber nichts aus dem Unterricht. Bis um 14:00 Uhr waren ich und der Systemadministrator damit beschäftigt, einige Probleme zu lösen, damit die Software (Adobe Dreamweaver, ein Programm um Webseiten zu erstellen) überhaupt richtig lief. Schliesslich kriegten wie es aber hin, doch es war bereits zu spät, um noch wirklich etwas Produktives machen zu können. Also sagte Mary den Unterricht für diesen Tag ab und ich relaxte im Hotel. Mark vom ITCT-Center in Kampala schrieb mir, er würde Mbarara um Mitternacht erreichen. Er wollte mich nämlich dorthin begleiten, also würden wir uns am nächsten Tag treffen.
Am Dienstag gab ich dann richtig Unterricht. Es waren sogar zehn Leute da! Der Unterricht war locker, machte Spass und die Zeit ging schnell um. Ich unterrichtete die Leute (welche alles Lehrer/innen an der Universität sind) in Sachen Webdesign. Zwischendurch gab es mal wieder einen der häufigen Stromausfälle, aber die Universität hatte für einen solchen Fall zum Glück einen Generator parat.
Mark war auch da, ihm ging es aber nicht sehr gut, er hatte Malaria. Doch er fand die Kraft, mich nach dem Unterricht noch etwas in Mbarara herum zu führen.
Die Verhaltensregeln in Mbarara sind etwas anders als in Kampala. So wurde ich auf dem Markt in Mbarara ziemlich brüsk darauf hingewiesen, das dies ein öffentlicher Ort sei und man hier nicht rauchen sollte. In Kampala war das nie ein Problem gewesen...
Auch an der Universität schien ich der einzige Mensch zu sein, der Zigaretten rauchte. Selbst dort fuhr mich eine junge Frau an, ich verpeste die Umwelt mit meinem Gequalme :) Hingegen schienen die Leute irgendwie mehr Respekt vor einem zu haben als das in Kampala der Fall ist. Vielerorts wurde ich mit "Sir" angesprochen, nicht nur im Hotel...
Der zweite Tag des Unterrichts verlief ebenfalls sehr gut. Diesmal unterrichtete ich etwas im Bereich grafisches Gestalten. Ein paar Leute vom Vortag waren nicht mehr da, jedoch waren Neue dazugekommen. Hier mal ein paar Bilder aus dem Unterricht:




Es war wirklich einfachstes Photoshop (Software für Bildbearbeitungen), aber man muss ja immer klein anfangen :)
Am dritten Tag (eigentlich war es ja der Vierte) war dann nur halbtags Unterricht. Mary wollte mich mit dem Pickup zurück nach Kampala bringen, doch ich sagte ihr, Mark wolle mir das Dorf zeigen, wo seine Familie herkommt und wir würden deshalb gemeinsam nach Ntungamo gehen.
Das taten wir dann auch.
Und wie es dort weiterging, wird später erzählt :)

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