Ich wohnte eine Zeit lang in einem Hotel namens "Kampala Premier Inn" in Kampala. Dort lernte ich Mark Okello kennen, er bewacht den Eingang des Hotels und öffnet das Tor, falls jemand mit seinem Auto auf den Parkplatz möchte.
Mark ist 29 Jahre alt, wohnt in Kampala, hat zwei Kinder (von verschiedenen Frauen) und eine Freundin. Er verdient nicht gerade viel Geld (in einem Monat so viel wie ich in der Schweiz in drei Stunden), scheint aber immer glücklich zu sein und lacht viel. Wir beschlossen nach einer gewissen Zeit, einen Roadtrip nach Kenia zu machen. Dazu aber später mehr.
Mark zeigte mir sein Zuhause in Kampala, welches aus nicht mehr als einem einzigen Raum besteht, darin gibt es ein Doppelbett, eine Kommode einen Fernseher und eine kleine Kochnische. Das Häuschen steht in einem Slumgebiet. Die Toiletten werden mit den Nachbarn geteilt, die Häuser haben keine eigenen. Mark erzählte mir, für die Benutzung der Toiletten müsse man hier Miete bezahlen...
Vor seinem Haus liegt eine Menge Dreck und Abfall, wie in dem ganzen Gebiet. Ausserdem hat sein Nachbar eine kleine Hühnerzucht und es stinkt entsprechend. Marks Kinder sind sehr süss, eine 9-jährige Tochter und einen 6-jährigen Sohn hat er. Es war sehr rührend, wie die Kinder reagierten, als sie mich sahen. Sie lachten und zeigten auf mich, versuchten mit mir zu sprechen, konnten aber zu wenig Englisch, um sich wirklich mit mir zu unterhalten. Wenn der kleine Sohn auf die Toilette muss, trägt seine Schwester ihn auf dem Rücken durch den ganzen Abfall dorthin, damit er sich nicht versehentlich irgendwo verletzt.
Es war sehr spannend zu sehen, wie Mark so lebt. Er schlug mir vor, ich solle an einem Wochenende mit nach Tororo kommen, wo er aufgewachsen ist. Tororo ist eine kleine Stadt in der Nähe der Kenianischen Grenze. Ich beschloss, mit ihm zu gehen, da ich ausser Entebbe und Kampala noch nicht viel von Uganda gesehen hatte.
Wir namen also an besagtem Wochenende ein Taxi nach Tororo. Das Städtchen liegt ca. 270 Kilometer von Kampala entfernt und hat von der Grösse her geschätzte 50'000 Einwohner. Das Taxi für die ganze Strecke von 270 Kilometern kostete uns ca. 4.50 Franken pro Person.
In Tororo angekommen, lernte ich Marks ganze Familie kennen. Er hat eine wahrlich grosse Familie und leider kann ich mich nicht mehr an alle Namen erinnern. Besonders in Erinnerung ist mir aber Emmanuel geblieben, ein ehemaliger Alkoholiker, der nun seit 8 Jahren trocken ist und nie mehr einen Schluck Alkohol angerührt hat.
Marks Familie lebt etwas ausserhalb von Tororo, in einem typischen, ländlichen Gebiet in Uganda. Es ist eine Gemeinschaft aus Lehmhütten, die weder fliessend Wasser noch Strom haben.
Ich habe leider kein Foto gemacht, das obige Bild ist von irgendwo aus dem Internet, aber genau so sahen diese Hütten aus.
Ich wurde sehr herzlich empfangen und alle schienen sich riesig darüber zu freuen, dass ein Fremder zu Besuch gekommen war. Leider konnten nicht alle gut Englisch sprechen, so war es manchmal etwas mühsam, sich richtig zu unterhalten. Es klappte aber auch so.
Ich merkte erst wirklich, wie es ist, so zu leben, als die Nacht hereinbrach. Da gab es kein Licht mehr, es war einfach stockdunkel, aber diese Menschen hatten sich daran gewöhnt und schienen Augen wie Katzen zu haben.
Marks Familie gab uns etwas zu Essen mit, was sie extra für uns gekocht hatten. Ich und Mark schliefen in einem Guest House in Tororo, weil in den Lehmhütten nicht mehr genug Platz für uns war. Als Mark mir das Essen zeigte, verlor ich jeglichen Appetit. Das Hühnchen sah aus wie einmal gegessen und wieder ausgekotzt, ich kann es wirklich nicht anders beschreiben.
Natürlich sah Mark meinen Gesichtsausdruck und als ich ihm dann sagte, ich hätte keinen Hunger, war er enttäuscht von mir. Er fing an zu Essen (natürlich ohne Besteck, das ist hier überflüssig) und ich fühlte mich schlecht, weil ich diese Speisen ablehnte, die eine sehr arme Familie extra für ihre Gäste zubereitet hatte. Also versuchte ich zumindest etwas davon und ich muss gestehen, es war gar nicht schlecht. Es sah halt einfach nicht so aus, wie ich es mir bisher immer gewohnt war. Auch Magenprobleme hatte ich danach keine :)
Am nächsten Morgen wollte ich mit Mark zu einem Stück Land fahren, dass seiner Familie gehört. Wir mussten auf ein paar Leute warten, die mit uns kommen wollten, um zu besprechen, ob und zu welchem Preis sie das Land verkaufen wollten. Hier lernte ich wieder einmal die afrikanische Zeit kennen: Die Leute sollten eigentlich um 10:00 Uhr eintreffen, damit wir dorthin fahren konnten, schliesslich warteten wir aber bis um 15:00 Uhr, bis alle da waren...
Dann fuhren wir also endlich los und ich lernte einen weiteren Teil von Marks Familie kennen. In der Nähe des Grundstücks gibt es eine weitere kleine Siedlung wo Mitglieder seiner Familie einen kleinen Bauernhof betreiben. Ich lernte zwei seiner kleinen Cousins kennen. Als ich sie fragte, was sie mal werden wollen, war ihre Antwort einstimmig: "I want to have money."
Es war eine sehr gute Erfahrung, das alles zu sehen. Wie die Menschen dort leben, was sie tun, an was sie glauben und welchen Prinzipien sie folgen. Auch luden sie mich zum Essen ein und diesmal brauchte es keine Überwindung mehr für mich. Ich sass am Tisch und ass mit ihnen als wäre ich schon lange Teil der Familie.
Am späteren Abend fuhren wir zurück nach Tororo. Zu diesem Zeitpunkt hatten ich und Mark bereits fest abgemacht, dass wir einen Roadtrip machen würden mit Ziel Mombasa an der Kenianischen Küste. Mark kennt in Tororo ein paar Autohändler und wir mieteten uns ein Auto (einen Toyota Kombi) für umgerechnet 90.- Franken für acht Tage. Der Preis war sehr billig, aber natürlich hatte das Auto jede Menge Macken, von denen wir aber erst später erfuhren. Über den Trip nach Mombasa werde ich meinen nächsten Eintrag machen.

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