Nachdem ich auf Facebook gepostet hatte, dass ich in Kampala verhaftet worden bin, haben mich einige Leute gefragt, wie es denn dazu gekommen sei. Für diejenigen unter euch, die nur meinen Blog lesen, mag das jetzt vielleicht etwas überraschend kommen. Aber ja: Ich wurde in meiner dritten Woche in Kampala von der hiesigen Polizei verhaftet.
In meiner ersten Woche hatte ich ja schon kleinere Startschwierigkeiten gehabt. Ich musste leider mein Appartment wechseln, weil ich nicht mehr geduldet werden konnte. Mein erstes Appartment nannte sich "Marias Place" und war ein lauschiges Plätzchen in Ntinda, einem guten Viertel von Kampala. Da ich aber immer irgendwelche Freunde eingeladen hatte und wir auch spät Abends noch zusammen sassen, wurde es meinen Nachbarn bald einmal zu bunt. Sie könnten nicht mehr schlafen und der Rauch unserer Zigaretten würde die Luft ihres Schlafzimmers verpesten, rapportierten sie dem Management. Mir selber haben sie kein Wort gesagt, waren wohl zu feige. Also wechselte ich nach nur sechs Tagen meinen Aufenthaltsort und fand einen guten Platz namens "Backpackers Hostel", wo ich auch zum ersten Mal einige weisse Traveller kennenlernte. Nennenswert sind Craig aus Kanada, Toby aus Deutschland und Lina aus Holland. Wir hatten ein paar echt gute Nächte voller Spass da draussen in Kampala. Vielen Dank!
Nun aber zu der Verhaftung und wie es dazu gekommen ist: In Ntinda gibt es einen ziemlich coolen Ort namens "Panamera", dabei handelt es sich um eine Art Pub/Club, der aber offen ist und nicht geschlossen, wie wir das meist aus der Schweiz kennen. Also man kann sich das so vorstellen, dass es kein Dach gibt und somit unter freiem Himmel getanzt und gefeiert wird. Eine Regel in "Panamera" ist, dass man nicht in sogenannten Tanktops (also ärmellosen T-Shirts) hineindarf. Ich hatte beim ersten Mal leider ein Tanktop am Oberkörper, einer meiner Kumpels konnte mir dann aber noch mit einem weissen T-Shirt aushelfen und ich kam problemlos rein.
Beim zweiten Mal in "Panamera", hatte ich dooferweise wieder ein Tanktop dabei. Diesmal konnte mir niemand mit einem Kleidungsstück aushelfen, ich musste also draussen bleiben, wenn es keinen anderen Plan geben würde. Da wir schon etwas betrunken waren, schlugen meine Freunde vor, ich solle doch über den Zaun klettern und so die Security am Eingang umgehen. Ich war natürlich nicht abgeneigt, es klang zu einfach. Gesagt, getan. Drinnen schnappte mich ein Riesenkoloss von einem Ugander und schleppte mich sogleich wieder zur Tür hinaus. Draussen wartete schon die Polizei.
Die hat mir dann gleich mal erzählt, dass in Kampala momentan Alarmbereitschaft herrsche, da es Terrorattacken geben könnte. Ich hätte also eine Bombe dabeihaben können und den Club in die Luft sprengen wollen, erklärte man mir mit sehr drastischen Worten. Dank meines Alkoholpegels brachte mich das aber nicht aus der Ruhe. Nun führte man mich zu einer Art Zelle, wo ich erstmal ein paar Minunten ausharren musste. Ich bemerkte, dass einige meiner Freunde mitbekommen hatten, was geschehen war und sie waren uns gefolgt.
Ein Typ von der Polizei kam in die Zelle und wollte mir dann erstmal wieder etwas Angst einjagen. Ich würde vor den Richter kommen, ich müsse eine saftige Strafe kriegen und weiteres leeres Blablabla. Am Schluss setzten sie mich dann in ihr Polizeiauto und wollten mit mir auf die Wache fahren. Doch meine Freunde hatten mittlerweile mit anderen anwesenden Polizisten verhandelt und plötzlich öffnete jemand die Tür des Polizeiwagens und bat mich um 30'000 Ugandische Schilling. Ich hatte nur 50'000 dabei, aber das war mir dann auch egal. Ich übergab also die 50'000er Note und war danach wieder ein freier Mann. Alles in allem hat mich die Ugandische Polizei etwa eine Stunde aufgehalten.
Meine Freunde erzählten mir, dies sei typisch für die Ugandische Polizei. Es gäbe halt viel Korruption. Die Sache, wegen der ich verhaftet worden war (Terroristische Aktivitäten) habe halt einfach nur gerade gut gepasst und deshalb hätten sie die Chance erkannt, mich um etwas Geld zu bringen. Schlussendlich war es eh nur darum gegangen: Um Geld. Ich fand den Betrag aber etwas gar lächerlich (gegeben habe ich ca. 17 Franken, 10.- wollten sie haben). Gerechnet habe ich schon im Vornherein damit, dass es wohl um Geld gehen würde, aber hatte mir ausgemalt, dass ich mindestens 100.- oder auch viel mehr zahlen müsste... Nun ja, so war das und im Endeffekt ist alles gutgegangen.
Weitere Geschichten aus Kampala folgen später. Ich hoffe, ich kann in Zukunft etwas öfters hier reinschreiben. Meine nächsten Zeilen werden sich wohl mit meiner Arbeit hier und den Menschen an sich beschäftigen.
Es stimmt also, du hast mir keinen Scheiss erzählt ;-)
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